JEDERMANN UND ICH/ EVERYMAN AND I

Katharina Pethke ⎜D 2021 ⎜65 min ⎜DCP ⎜bw/colour
produced by Pethke/Fünferfilm

Festivals

World Premiere at DOK Leipzig 2021 (German Competition)
Internationale Premiere: Crossing Europe, Austria 2022
Doc Aviv, Israel 2022 – Depth of Field Competition
DokKa Karlsruhe, Germany 2022
Nonfiktionale, Germany 2022
Filmkunstwochen München, Germany 2022

Wie nah ist zu nah? Der Versuch, einen Porträtfilm über einen Schauspieler zu drehen, wird für die Filmemacherin zu einem Kampf von Nähe und Distanz und zu einem Balanceakt zwischen Fiktion und Realität.

Aus dem Katalogtext von DOK Leipzig:

Is it possible to get close to someone who sees their sole task in life in losing themself in the parts they play? How can a film portrait be created when every image only contributes to further fictionalization? Who is facing each other when the line between fact and fiction becomes blurred? Katharina Pethke looks back to dissect the past and her contradictory feelings for the celebrated actor Philipp Hochmair, following the lines of her own artistic and personal doubts

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The magnificent black and white images guide the eye from the surfaces to the details, whose meaning the director probes and questions in her subjective, tentative voiceover. The film preserves the rawness of unfinished reflections without getting mired in vagueness. Step by step, the honest assessment of a desire is achieved; a desire which could function only in the delicate balance between attraction and repulsion and from which Katharina Pethke frees herself by adopting a position of artistic distance. Her sometimes self-mocking commentary is supported by dramatic guitar riffs (provided by Hochmair’s band project “Die Elektrohand Gottes”) and underpinned by filmic references, all of which revolve around the making of images and the relationship between reality and imagination.

 

 

Luc-Carolin Ziemann

Link zum MDR Filmtipp:
von Stefan Petraschewsky, MDR KULTUR-Filmredakteur

„Jedermann und Ich“ – Persönliches Beziehungsporträt von zwei Künstlerpersönlichkeiten

Das erste Bild: eine Totale mit flachem Stausee. Ein Löffler stolziert hindurch und fliegt weg. War es das schon? Dieser ganze Film als Essenz, hier kurz zusammengefasst in diesem Prolog? Es handelt sich um einen Film, der in voller Länge etwas zeigen will, was vielleicht nur schwer zu zeigen ist. Etwa die Suche nach der Wahrheit in der Hingabe an die Kunst. Es ist auch ein Film über Nähe und Distanz, der eine Dreiecksbeziehung thematisiert zwischen einer Dokumentarfilmerin, einem Schauspieler und einer Kamera respektive einem Fotoapparat.

Katharina Pethke filmt in schwarzweiß. Sie ist eine Meisterin der Montage, was immer auch die Soundspur umfasst. Steht das Bild still, übernimmt der Ton die Bewegung. Pethke filmt aus der Ich-Perspektive. Dieses Ich zieht in eine neue Stadt und hat eine neue Arbeit. Irgendwann ist er – der Schauspieler – da und schläft wohl im selben Bett wie die Filmemacherin, glaubt man den Bildern. „Während ich mit meiner neuen Rolle haderte“, sagt das Ich, „wechselt er mühelos seine verschiedenen Identitäten. Konnte alles sein und jeder.“

Der Film heißt dann auch „Jedermann und ich“. Was neben jeder sein auch den „Jedermann“ bedeutet, den der Schauspieler Philipp Hochmair in Salzburg spielt. Am Ende ist es wohl ein Abschied, eine Art „Winterreise“ und ein sehr persönliches Doppelporträt über zwei Künstlerpersönlichkeiten. Eine Annäherung der besonderen Art, die immer wieder neue, großartige Bilder findet. Wahrhaft ein schöner, wirklich künstlerischer Dokumentarfilm.